Haarausfall bei der Katze

Das Fell einer Katze gibt häufig Aufschluss über ihren Gesundheitszustand. Über die Ursachen von besorgniserregenden Fellveränderungen und ihre Behandlungsmöglichkeiten.

Auch wenn es ganz harmlos beginnt: Veränderungen des Haarkleids und der Haut bei Katzen können ein „Überraschungspaket“ mit verschiedensten Ursachen sein. Um böse Überraschungen und leidvolle Erkrankungen möglichst zu verhindern, ist es ratsam, bereits bei frühen Anzeichen einen Tierarzt oder sogar einen auf Hauterkrankungen spezialisierten Veterinär aufzusuchen.

Intensives Putzverhalten

Hautveränderungen beginnen oftmals unauffällig. Erst durch stetiges Kratzen, Beißen und Putzen wird die Haut gereizt und das Risiko für entzündliche Veränderungen, die oft dramatische Formen annehmen können, steigt.
Viele Samtpfoten zeigen ihren Juckreiz nicht offen. Sie verziehen sich in ein Versteck und widmen sich dort hingebungsvoll und unbeobachtet der Bekämpfung des unangenehmen Zwickens und Kribbelns. So können sie die wichtigen Hinweise auf ihr beeinträchtigtes Wohlbefinden oft sehr gut und recht lange vor ihrem Besitzer verbergen.

Die Diagnostik und Behandlung von Hautkrankheiten bei Tieren ist aufgrund der vielen möglichen Ursachen bei oftmals ziemlich ähnlichem Erscheinungsbild sehr komplex. Im Folgenden finden Sie einige ausgesuchte Beispiele für die Entstehung haarloser Stellen bei Katzen. Viele weitere Ursachen, bis hin zu hormonellen und komplizierten Autoimmunerkrankungen sind zusätzlich denkbar.

Relativ harmlos: der Fellwechsel

Ein vorübergehend vermehrter Haarausfall kann zunächst dem natürlichen Wechsel zwischen Winter- und Sommerfell geschuldet sein.
Bei reinen Wohnungskatzen lässt sich dieser manchmal auch ganzjährig beobachten.

Fallen die Haare allerdings regelrecht büschelweise aus, besteht die Gefahr, dass es zum übermäßigen Abschlucken gelöster Haare kommt und sich so Haarballen im Magen der Tiere bilden.

Mit dem regelmäßigen Herauskämmen loser Haare und der Gabe von Katzengras und Malzpaste können Sie Ihr Tier beim Fellwechsel unterstützen und der Haarballenbildung vorbeugen.

Allergien gegen Floh und Co.

Häufig sind Hautparasiten wie Flöhe, Zecken und Milben der Auslöser für haarlose Stellen auf der Katzenhaut. Besonders schwer haben es Tiere mit einer Flohbissallergie: Bereits eine winzige Menge an Flohspeichel, der bei jedem Biss auf das Tier übertragen wird, kann Hautreaktionen und extrem unangenehmen Juckreiz am ganzen Katzenkörper bewirken.

Betroffene Katzen kratzen, beißen und putzen sich dann so lange, bis kahle Stellen im Fell entstehen. Die freigelegten Hautstellen sind oftmals auch in Folge bakterieller Infektionen gereizt und krustig. Das Abheilen dieser kleinen Wunden kann bis zu zwei Wochen dauern.

In besonders schweren Fällen ist die Gabe eines juckreizstillenden Medikaments notwendig.
Der wichtigste Aspekt nach einer Allergiediagnose liegt in der Vermeidung weiterer Flohbisse und erfordert eine gezielte ganzjährige Flohbekämpfung auf dem Tier und in seiner Umgebung.

Freigänger sollten nach jedem Streifzug nach Parasiten abgesucht werden. Hat sich etwa eine Zecke auf dem Katzenkörper eingenistet, reicht es meist schon, diese schnell und sauber zu entfernen. So können Krusten oder Hautentzündungen infolge des Juckreizes gar nicht erst entstehen.

Reine Wohnungskatzen sind auch nicht vor einem Parasitenbefall gefeit: Floheier können unter Schuhen kleben und Zecken auch schon einmal von einem Spaziergang an der Kleidung hängen bleiben und so ihren Weg in die Wohnung finden.
Eine regelmäßige Kontrolle von Haut und Fell ist somit auch bei reinen Stubentigern sinnvoll.

Futtermittelallergien als Auslöser für Hautprobleme

Allergien gegen bestimmte Futtermittel oder Umwelteinflüsse können Auslöser für extremen Juckreiz sein. Die Folgen gleichen denen einer Flohkotallergie. Vermutet der Tierarzt eine Futtermittelallergie, wird meist eine Ausschlussdiät angestrebt. Dabei wird getestet, welcher Futterbestandteil als Allergieauslöser in Frage kommt. Diese Methode ist verlässlich, wenn auch etwas langwierig.

Für Umweltallergene wie Pollen oder Hausstaubmilben gibt es für Tiere relativ zuverlässige Allergietests. Bei Kontaktallergien, etwa durch Verwendung eines neuen Putzmittels, hilft oftmals bereits der detektivische Spürsinn der Tierbesitzer.

Putzteufel auf vier Pfoten

Eine ganz spezielle und dabei gar nicht so seltene Ursache für die Entstehung haarloser Stellen ist die sogenannte „psychogene Leckalopezie“ – eine nicht zu unterschätzende Verhaltensstörung.

Hier fügt sich das Tier haarlose Stellen durch übersteigertes Leck- und Putzverhalten selber zu. Es wird so intensiv geputzt, dass die Haare ausgehen und die Haut ungeschützt freiliegt. Normalerweise ist die Haut dabei intakt, glatt und nicht entzündlich verändert.

Anhand einer relativ einfachen mikroskopischen Untersuchung der Haare des Tieres kann relativ einfach beurteilt werden, ob die Haare von selbst ausgefallen sind oder ob sie durch intensives Belecken beschädigt wurden.

Der Ursache für dieses Verhalten auf den Grund zu gehen, kann durchaus eine Herausforderung sein. Es gilt zu ermitteln, ob und vor allem warum das Tier unter Anspannung steht. Der Einzug neuer Tiere oder Menschen ins Territorium, das Umstellen oder die Neuanschaffung von Möbeln, eine nicht ganz katzengerechte Wohnumgebung können neben vielen anderen Faktoren eine Katze verunsichern und stressen. Durch eine sorgfältige Beobachtung des Tieres und seiner Umgebung, am besten aus der „Katzenperspektive“, lassen sich meist hilfreiche Rückschlüsse ziehen.

Ein Text von Dr. Regine Rottmayer, Tierärztin und Expertin für alle Themen rund um die Heimtierhaltung – exklusiv für DAS FUTTERHAUS

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