Stress bei Hunden

Hunde freuen sich über Abwechslung und Herausforderungen. Sind sie dauerhaft auf den vier Beinen und fehlen kraftspendende Ruhezeiten, artet das gut gemeinte Bespaßungsprogramm jedoch schnell in Stress für den Hund aus. Hundetrainerin Maren Grote über Vierbeiner unter Dauerstrom.

Welche Faktoren sind für einen Hund stressauslösend?

Stress kann durch Situationen hervorgerufen werden, in denen sich der Hund nicht wirklich wohl oder überfordert fühlt. Das kann der Besuch auf dem Rummelplatz oder beim Tierarzt sein. Aber auch die aufregende Spielrunde auf der Hundewiese kann ihre Tücken haben, sogar dann, wenn Aktivitäten dieser Art dem Vierbeiner eigentlich viel Spaß machen.
Es kommt immer darauf an, wie sich Umgebung und Kontext für den Vierbeiner darstellen. Stressauslöser und -anfälligkeit sind sehr individuell. Daher sollte der Halter sein Tier in verschiedenen Situationen genau beobachten und auch einmal die Reißleine ziehen, wenn es für sein Empfinden zu aufregend wird oder der Hund schon deutliche Anzeichen von Unwohlsein zeigt.

Wie zeigt ein Hund an, dass er gestresst ist?

Akuter Stress wird durch Hecheln mit stark angespanntem Gesicht gezeigt. Die gesamte Körperspannung ist sehr hoch, alle Muskeln arbeiten, die Augen sind weit geöffnet, die Pupillen sind groß, der Hund bewegt sich viel, scheint unaufmerksam und fahrig.
Einige Hunde fangen in akuten Stresssituationen an, verstärkt zu haaren oder zu schuppen. Der Speichel läuft vermehrt, dadurch muss der Hund immer wieder schlucken. Bei manchem Hund fangen die Muskeln regelrecht an zu flattern.

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Marathonmäßige Bespaßung, muss das sein?

Nein, muss es nicht. Morgens Radfahren, danach mit der Bahn zur Arbeit, mittags auf den Hundespielplatz, nachmittags wieder mit der Bahn zurück durchs Getümmel, danach Gassi gehen, abends ein paar Suchspielchen und am Wochenende Hundeschule und Agility ... Habe ich alles schon erlebt. Das ist keine Auslastung für den Hund, sondern durchgehender Stress. Der Hund kann nicht wirklich zur Ruhe kommen, geschweige denn die ganzen Eindrücke, die auf ihn einstürmen, anständig verarbeiten. Den ganzen Tag umherzulaufen und neue Dinge zu entdecken, ist eigentlich im Programm eines Hundes nicht vorgesehen.
Natürlich braucht ein Hund Kontakte, Auslauf und neue Eindrücke. Aber alles in wohldosierten Maßen. Ist der Bespaßungspegel dauerhaft zu hoch, kann dieser durchaus zu Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu gesundheitlichen Problemen führen.

Sind einige Rassen stressanfälliger oder -resistenter als andere?

Es gibt Rassen, die für ihren ursprünglich angedachten Aufgabenbereich so gezüchtet wurden, dass sie schnell aktivierbar und auch langfristig mit entsprechendem Enthusiasmus für ihre Arbeit eingesetzt werden können. Dazu gehören etwa Hütehunde wie der Border Collie. Gerade diese Hunde brauchen nach getaner Arbeit Ruhe und Auszeiten und dann einen möglichst niedrigen Erregungspegel, um nicht auszubrennen.

Kann sich anhaltender Stress negativ auf die Hundegesundheit auswirken?

Daueraufregung, egal ob fröhlich oder ängstlich besetzt, kann Hunde krank und unruhig machen. Ganz nebenbei ziehen sich Besitzer über ein andauerndes Bespaßungsprogramm einen Hund heran, der nicht einmal kurz sich selbst genüge sein kann. Der die Geduld verliert und sofort frustriert und gestresst ist, wenn seine Bedürfnisse nicht sofort erfüllt werden. Das ist für Tier und Mensch nicht schön und macht das Zusammenleben schwierig.

Treffen Sie oft auf überforderte, gestresste Hunde?

Das Problem der Überforderung ist mittlerweile fast häufiger als das der Verwahrlosung bei Hunden. Die Konditionierung dazu beginnt oft schon im Welpenalter. Gut gemeint, aber nicht unbedingt zielführend werden junge Hunde häufig überfordernden Einflüssen ausgesetzt: So sorgt etwa der Besuch im Zoo mit all seinen exotischen Gerüchen und Geräuschen für viel unnötige Aufregung, bietet dem kleinen Vierbeiner im täglichen Leben jedoch keinerlei Orientierung.

Was Sie gegen Stress tun können?

Es geht nicht unbedingt darum, einem Hund jeglichen Stress zu ersparen. Freude, Frust, Angst und Wut sind in geringem Maß Teil jedes Hundelebens. Den richtigen Umgang mit Stress kann ein Hund nur dann erlernen, wenn er mit diesem konfrontiert wird.
Wichtig ist dabei allerdings, dass nach einer aufregenden, fordernden oder auch einmal erschreckenden Situation ausreichend Zeit zum Beruhigen da ist. Dazu gehören ausreichend Schlaf und Tage, an denen es insgesamt etwas ruhiger zugeht. Ein kuscheliger Rückzugsort, an dem der Hund sich auch mal ganz allein seinen Träumereien widmen kann, hilft dabei, neue Energie zu tanken.


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